VUCA -
4 Buchstaben für moderne Führungskräfte

Dieser Beitrag erschien im MM Maschinenmarkt.
Im heutigen, von Volatilität und Komplexität geprägten Umfeld lassen sich Entscheidungen immer seltener rein faktenbasiert treffen. Empathie, Vernetzung und der bewusste Umgang mit der eigenen Wahrnehmung sind wichtige Instrumente für Führungskräfte.

Wie umgehen mit Disruption? - VUCA

Sprunghafte Innovation (auch bekannt als Disruption), verkürzte Produktlebenszyklen, die Digitalisierung von Produkten und Arbeitswelt – das alles bringt große Umwälzungen mit sich, in denen die Steuerleute – sprich: Manager – einen Kurs in unbekannten und turbulenten Gewässern suchen müssen. Technologie, Rahmenbedingungen, Kundeninteressen und Allianzen ändern sich rascher denn je, Daten und Waren fließen immer schneller rund um den Globus. Es scheint schier unmöglich, aus dem Überfluss an Informationen verlässliche Prognosen zu bekommen.

Die Führungskraft ist gefordert, sich und ihre Organisation schneller an neue Gegebenheiten anzupassen. Dazu müssen Manager ständig dazulernen und Entscheidungen treffen, die weniger auf einer überschaubaren Faktenlage basieren, als vielmehr auf grundlegenden Werten und langfristigen Zielvorstellungen fußen. Der Begriff, der das derzeitige Management-Fahrwasser am besten beschreibt, kommt aus dem Englischen und heißt VUCA: Volatility (Volatilität), Uncertainty (Unsicherheit), Complexity (Komplexität) und Ambiguity (Mehrdeutigkeit).

Wichtige Kompetenzen für das VUCA-Umfeld

In einem stabilen Umfeld zielt das Management darauf, die aktuellen Anforderungen bestmöglich und mit optimalem Ressourceneinsatz zu erfüllen. Dieser Ansatz funktioniert nicht in der digitalen, hyperdynamischen und globalen VUCA-Umgebung. Hier kann es völlig unklar sein, wie Antworten aussehen oder wie Entscheidungsoptionen zu bewerten sind. Wie kann im VUCA-Umfeld also Führung gelingen, die zukunftsorientiert und souverän ist?

David Peterson, Director Executive Coaching & Leadership bei Google, sieht die Erfolgsstrategie in einem scheinbar paradoxen Ansatz: „Im dynamischen VUCA-Umfeld sind Führungskräfte dann am erfolgreichsten, wenn sie ihre derzeitige Leistung sub-optimieren [und damit den Aufwand begrenzen, der auf diese Leistung fokussiert ist, Anm.] und [parallel] in Strategien investieren, die die Flexibilität und Anpassungsfähigkeit an zukünftige Entwicklungen fördern.“

Der Trend geht weg von perfekten Rund-um-Lösungen und hin zu mutigen ersten Ansätzen, die in der Folgezeit durch Dazulernen reifen und fortlaufend an die sich ständig wandelnden Randbedingungen angepasst und optimiert werden. Für die Führungskraft gibt es nach Peterson zwei kritische Kompetenzen, um Flexibilität und Anpassungsfähigkeit zu fördern: Empathie und bewusstere Wahrnehmung.

Kultivieren Sie Ihre Empathie

Es ist unwahrscheinlich, dass Ihre ersten Eindrücke und ureigene Sicht schon die beste aller Entscheidungsgrundlagen im wild tosenden VUCA-Umfeld bieten. Ergänzen Sie Ihre eigene Sicht durch andere Perspektiven und die Sichtweisen anderer. Empathie hilft Ihnen, die Gedanken, Gefühle und Sichtweisen anderer zu verstehen. Reaktionen von Märkten, Mitarbeitern und Mitbewerbern lassen sich dann leichter vorausahnen. Empathie und die dafür nötige emotionale Intelligenz sind zu einem guten Teil trainierbar.

Beobachten Sie die Gefühle, die Sie bei Ihren Aufgaben und bei Gesprächen in Ihrem Beruf durchleben. Lernen Sie, zum Beispiel mithilfe eines Coachs, was Ihnen Ihr Bauchgefühl sagen will und wie Sie aus negativen Gedankenspiralen aussteigen können. Anstatt Beiträge anderer vorschnell abzutun, können Sie so jeden Beitrag aus Ihrem Team oder Ihrem Umfeld würdigen lernen. Eine gute Empathiefähigkeit ermöglicht Ihnen bewusste Zusammenarbeit auf den verschiedensten Ebenen, wirkungsvolle Vernetzung und die gemeinsame Arbeit an Visionen. Sie werden Vertrauen und Loyalität in Ihrem Umfeld brauchen, wenn es um suboptimale Lösungen für das Tagesgeschäft und um die Umsetzung von Visionen geht. Die unvermeidlichen Rückschläge und Irrwege können Sie dann besser bewältigen und in positive Lernerfahrungen verwandeln.

Managen Sie Ihre Wahrnehmung

Entscheiden Sie bewusst, worauf Sie heute, diese Woche, diesen Monat oder in der nächsten Zeit Ihre Aufmerksamkeit und die Ressourcen Ihrer Organisation fokussieren. So gelingt initiative statt reaktive Führung. Versuchen Sie es zu vermeiden, vorschnelle (Vor-)Urteile zu treffen oder in Denkfallen zu geraten. Beides schränkt Ihre Flexibilität und Anpassungsfähigkeit ein. Bleiben Sie neugierig. Wenn Sie öfters eine Lernperspektive einnehmen, ziehen Sie auch aus Rückschlägen Nutzen. Halten Sie Mehrdeutigkeit aus und gewöhnen Sie sich daran, Entscheidungen in einem unsicheren und ambivalenten Umfeld zu treffen: Wie wird sich der Markt in diesem oder jenem Kernsegment entwickeln? Wann ist die Technologie der nächsten Generation einsatzbereit? Welche Innovationen werden die Produkte in den nächsten Jahren revolutionieren?

Niemand wird Ihnen darauf verlässliche Antworten geben. Es ist Ihre Führungsaufgabe, Entscheidungen in dieser unklaren Gemengelage zu treffen, eine Richtung vorzugeben und Ihre Mitarbeiter zum Mitgehen zu motivieren. Mit diesen Kompetenzen ausgestattet, können Sie wesentlich einfacher in den Zyklus aus Aktion und Reflexion einsteigen, der Ihnen ein Lernen in hoher Intensität und ein Maximum an Anpassungsfähigkeit garantiert.

Ihre Werte sind Ihr Kompass

Welchen Kurs auch immer Sie einschlagen – seien Sie nicht die Nussschale, die von den VUCA-Wellen hierhin und dorthin geworfen wird. Kultivieren Sie eine langfristige Vision und leben Sie Ihre Werte bewusst. Denn bei aller Dynamik im Umfeld ist unter den Werten, die Mitarbeiter an ihren Vorgesetzten am meisten schätzen, die Atmosphäre von „Stabilität“.
tl;dr
Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Mehrdeutigkeiten (engl. VUCA) prägen die Führungsarbeit im Umfeld der Digitalisierung. Statt auf Optimierung des Bestehenden zu fokussieren, sollte ein Teil der Führungsarbeit auf die Optimierung der Anpassungsfähigkeit und Flexibilität gerichtet sein. Dabei heißt es, offen in der Wahrnehmung und beim Zuhören zu bleiben, um Einbahnstrassen und Sackgassen zu vermeiden. Eine langfristige Vision hilft, den Kurs auszurichten.

Wessen Einschätzung würden Sie heute einmal abholen wollen?
Welche Werte sind für Sie unabdingbare Orientierungspunkte?