Motivation ist nicht binär –
finden Sie Ihren Powermix mit dem Motivations-Mischpult

Haben Sie im Beruf nicht auch Tage, an denen Sie denken: „Kann bitte 'mal jemand meinen Motivationsschalter umlegen – oder auf Freitagmittag vorspulen?"
Die schlechte Nachricht: Das einzige, was für einen sofortigen Motivationsschub sorgt, ist KITA. (engl. „Kick in the a**"). Und das auch nur solange, bis der Schmerz oder die Erinnerung daran verflogen ist.
Die gute Nachricht: Oft ohne es zu wissen haben wir ein ganzes „Mischpult" von Motivationsreglern, mit denen wir je nach Situation spielen können und Aufgaben und Umfeld nach unseren Wünschen gestalten können. Das Ergebnis sind mehr Begeisterung und tiefere Zufriedenheit!

Was hinter Ihrem Mischpult steckt

Die Erklärungsversuche für die Triebfeder menschlichen Handelns reichen bis ins antike Griechenland zurück - und beschäftigen noch heute Psychologen weltweit. Die derzeit favorisierten Theorien stammen von Herzberg (schon aus den 60er Jahren) und McClelland.

Motivationsquelle: Intrinsische Motivation

Wir sind intrinsisch motiviert, wenn wir etwas tun, weil es uns Spaß macht (man spricht auch von „Flow"), weil wir die Herausforderung lieben, weil es uns brennend interessiert oder weil wir ein inneres Ideal anstreben, das der Maßstab unserer Handlungen ist. Wir würden die Motivation auch verspüren, wenn niemand zusähe und niemand jemals davon erfahren würde.

Motivationsquelle: Extrinsische Motivation

Wir sind extrinsisch motiviert, wenn ...
a) wir uns etwas versprechen: Eine Gegenleistung - etwa einen Bonus oder anderen Vorteil - , Anerkennung und Status
b) wir durch unser Tun etwas vermeiden: Eine Bestrafung, einen Nachteil, Unannehmlichkeiten.

Es sind die extrinischen Motivatoren - Strafe oder Belohnung - die Herzberg unter dem Begriff KITA zusammenfasst.
Laut McClelland befriedigt Motivation unsere Bedürfnisse. In einer medizinischen Studie konnte er nachweisen, dass Motivation etwas in unserem Körper auslöst. Mit der Anregung unten stehender Motive werden bestimmte Neurotransmitter (Dopamin, Epinephrin, ...) ausgeschüttet - solche, die uns ein gutes, manchmal sogar euphorisches Gefühl geben oder solche, die negative Emotionen und Stress auslösen.

Motivgruppe Leistungsmotivation

Wir sind tun etwas, weil wir auf Erfolg, Fortschritt oder Abwechslung aus sind, weil wir etwas vollbringen wollen, aus Neugierde, oder um unsere Kreativität auszuleben.

Wir versuchen zu vermeiden, dass wir uns unfähig, schwach, dumm fühlen und uns Versagensangst ausbremst.

Motivgruppe Zugehörigkeit

Wir wünschen uns Sicherheit, Geborgenheit, Zuwendung und Freundschaft. Unser Tun soll beachtet werden und unsere Zugehörigkeit zu anderen stärken.

Wir versuchen zu vermeiden, dass wir uns wertlos, zurückgewiesen, allein gelassen, isoliert oder ausgeschlossen fühlen.

Motivgruppe Macht

Wir wünschen uns Bedeutung und Status, Einfluss, Kontrolle, Dominanz im Wettbewerb

Wir versuchen zu vermeiden, dass wir uns unbedeutend, abhängig, missachtet fühlen und Kontrollverlust erleben.

Ihr persönliches Mischpult


Bauen Sie Ihr persönliches Mischpult! Die entscheidenden Zutaten sind die Beschriftungen für die Regler. Über jedem Regler steht nämlich einer Ihrer Werte, Ihrer persönlichen Glücks- und Motivationsfaktoren, Dinge, die Ihnen wichtig sind, die Ihnen Sinn und Befriedigung geben. Um dahinter zu kommen, was genau das sein könnte, gibt es zwei Möglichkeiten:

Sie möchten schnell und unkompliziert einsteigen? Dann greifen auf eine übersichtliche Vorauswahl der gängigsten Motivatoren zurück. Zumindest ein Teil Ihrer persönlichen Werte und Motivatoren sollte sich darin wiederfinden. Eine schön aufbereitete Liste findet sich bei Management 3.0.

Sie möchten Ihre individuellen Werte selbst erforschen? Dann begeben Sie sich auf eine Reise durch den Wertekosmos, halten Sie fest, was Ihnen wichtig ist, was Ihnen Kraft gibt, worauf Sie stolz sind, was Sie an Ihren Freunden/innen mögen. Und auch, was Sie auf keinen Fall tolerieren, was Sie verärgert, wütend oder traurig macht. Hinter jedem Punkt steht eine Wertevorstellung oder ein Motivator. Die Suche nach den eigenen Werten kann einfacher sein, wenn man einen Gesprächspartner zur Seite hat, der bei der Reflektion und bei den Gedankenspielen hilft. Für diejenigen, die es auf eigene Faust versuchen möchten, gibt es eine Schritt-für-Schritt Anleitung hier.

... und los geht's! Das Motivations-Mischpult im Einsatz

Schreiben Sie Ihre persönlichen Werte und Motivatoren auf Karteikarten (oder drucken Sie die vorgefertigten Karten aus) und legen Sie sie vor sich auf den Tisch: Die stärksten Motivatoren ganz rechts und dann in absteigender Reihenfolge einen nach dem anderen. Beim ersten Mal ist das nicht einfach. Das Gute ist: Es gibt kein "Richtig" oder "Falsch". Entscheidend ist, wie Sie sich heute, in diesem Moment fühlen.
Nehmen Sie jetzt ein Blatt Papier zur Hand und listen Sie zum Beispiel fünf bis sieben Hauptaufgaben aus Ihrem beruflichen Tätigkeitsfeld. Dann schauen Sie das erste Tätigkeitsfeld an und wenden sich den vor Ihnen liegenden Karten zu. Spricht diese Tätigkeit ein oder mehrere Motivatoren an? Wenn ja, schieben Sie die entsprechenden Karten ein Stück nach oben - in dem Maße, wie die Tätigkeit den entsprechenden Wert oder Motivator anspricht. Ist die Tätigkeit in gewisser Hinsicht demotivierend? Schieben Sie die entsprechende(n) Karte(n) nach unten. Das Video (in englischer Sprache) verdeutlicht die Vorgehensweise.

Hier ein Beispiel für das Ergebnis:
  • Was fällt Ihnen auf, wenn Sie nun Ihr Motivationsmischpult betrachten?
  • Warum beeinflusst eine Tätigkeit Ihre Motivation in bestimmten Bereichen mehr, in anderen weniger stark?
  • Was könnten Sie tun, damit die negativen Seiten weniger ins Gewicht fallen?
  • Was könnten Sie tun, damit Sie der Tätigkeit noch mehr positive, wertvolle Seiten abgewinnen können?

Vielleicht läßt sich einer ungeliebten Review-Tätigkeit ja ein neuer "Spin" geben, wenn man sie in eine Mentoring-Beziehung umwandelt?
Vielleicht bin ich eine Aufgabe nur einseitig angegangen und könnte mit meiner/m Vorgesetzten über eine andere Gestaltung verhandeln, weil ich mir die Randbedingungen selbst auferlegt habe, ohne dass es mir bewußt war?
Vielleicht gibt es jüngere Kollegen mit einem anderen Motivationsbild, für die die Koordination nicht anstrengende Routine sondern eine Herausforderung mit Lernpotential darstellt?

Wenn Sie einmal erfasst haben, was Sie wollen, gibt es oft mehr Gestaltungsmöglichkeit als Sie vermuten!
Die Methode lässt sich genauso gut anwenden, wenn eine Veränderung bevorsteht und Sie sich fragen, ob Sie durch die Veränderung eher motiviert oder demotiviert würden.

Motivation ist nicht binär

Nehmen Sie das Motivationsmischpult mit in Ihren Alltag und entdecken Sie neue Begeisterung! Ja - natürlich gibt es auch Brot-und-Butter-Tätigkeiten (wer einen Motivationsbooster für "Stunden- und Reisekostenbericht einreichen" gefunden hat, möge ihn mir bitte umgehend schicken!) oder Momente des einfach nur Da-Seins (auf den Bus warten und der Handy-Akku ist leer).
Aber je mehr der Arbeitsalltag durchsetzt ist von Aufgaben mit gut ausgesteuerter Motivation, um so begeisterter und zufriedener werden Sie im Beruf sein. Probieren Sie es aus!
tl;dr
Motivation ist nicht an- oder abschaltbar. Jeder Mensch hat ganz persönliche Werte und Motivatoren, die sich grob in den Bereichen Leistung/Selbstwirksamkeit, Zugehörigkeit und Macht einordnen lassen. Durch gezieltes Fragen kann man seine Motivatoren entdecken und in einer Reihenfolge bringen, gleich den Reglern an einem Mischpult. Mit diesem Werkzeug lässt sich jede Situation, Tätigkeit oder Veränderung daraufhin untersuchen, welche Motivatoren angesprochen oder unterdrückt werden. Das Gute: Wenn man die einzelnen Regler einmal kennt, hat man oft mehr Gestaltungsspielraum als man vermutet, um die Tätigkeit oder Situation umzugestalten, damit sich die Regler wie von Zauberhand in den Power-Modus verschieben!

Welche Werte/Motivatoren würden Sie gerne im Berufsalltag zum Leben erwecken?